Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis 1 Einleitung 2 Felderforschung 2.1 Entwicklung der Forschungsfrage 2.2 Hypothesen 3 Methodenauswahl 3.1 Qualitative Sozialforschung 3.2 Theoretische Einbettung 3.2 Problemzentriertes Interview (PZI) nach A. Witzel 3.3 Grounded Theory (GT) nach Strauss und Corbin 4 Datenerhebung im Feld 4.1 Feldzugang 4.2 Interview 5 Auswertung 6 Fazit und Ausblick Literaturverzeichnis Abbildungsverzeichnis

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Einleitung

Nicht nur in dem großen Telekom-Konzern wird das Thema Frauenquote aktuell ganz groß geschrieben. Das Thema wird von der Bundesfamilienministerin aufgegriffen, die es laut Financial Times Deutschland als notwendig erachtet in Deutschlands Führungsetagen den Frauenanteil zu erhöhen. Großkonzerne erstellen Konzepte, ernennen sogenannte „Frauenquotenbeauftragte“ und beginnen die gesamte Firmenstruktur in Frage zu stellen. Eine günstige Entwicklung für Frauen mit beruflich hochgesteckten Zielen. Demgegenüber steht jedoch der Wunsch nach einer eigenen Familie. Doch sowohl Kinder, als auch Studium und die Verwirklichung der beruflichen Ziele kosten Zeit, Geld und gute Nerven. Der Kaiserweg der beruflichen Verwirklichung ist folgender: Abitur–Studium–Berufseinstieg–Karriereweg-Führungsfunktion. Die Ziele sind hochgesteckt und lassen kaum Luft zum atmen. Geschweige denn zum Kinderkriegen. Für gewöhnlich beendet eine Frau ihr Studium, sammelt erste Erfahrungen in ihrem beruflichen Tätigkeitsfeld und entschließt sich spät dafür doch noch eine Familie zu gründen. In diesem Zusammenhang taucht auch das Wortungetüm ‚Altgebärende‘ oder ‚Spätgebärende‘ auf. Frauen, die viel Energie und Mühe in ihre beruflichen Ambitionen gesteckt haben, warten oftmals vergeblich darauf den ‚richtigen Zeitpunkt‘ für die Gründung einer Familie zu erreichen. Viele schieben die Realisierung ihrer Kinderwünsche solange hinaus, bis deren Umsetzung biologisch nicht mehr möglich ist. Auf der Suche nach alternativen Lebensverlaufsformen, abweichend von oben erwähntem ‚Kaiserweg‘, wurden Stimmen laut, die behaupten, die Zeit des Studiums sei die beste Phase für die Umsetzung des Kinderwunsches. In der einschlägigen Literatur finden sich viele Lösungsansätze für ein Studium mit Kind. Dieses Thema wurde schon sehr ausführlich erforscht und liefert eindeutige Ergebnisse. Genauso lassen sich eine Vielzahl an Berichten und wissenschaftlichen Arbeiten zu dem weitläufigen Thema „Familie und Beruf“ finden. Das Interesse der Erstellerin dieser Hausarbeit liegt vor allem an der persönlichen Betroffenheit. Als studierende Mutter zweier Kinder liegt das Interesse an einer Prognose für die berufliche Zukunft nahe. Im weiteren Verlauf wird auf den aktuellen wissenschaftlichen Forschungsstand zu dem Thema „Familiengründung in der Studienzeit“ näher eingegangen und die daraus resultierende Entwicklung der Forschungsfrage und der Hypothesenbildung. Dem folgt die begründete Auswahl der Forschungsmethode. Die Datenerhebung im Feld und die Auswertung werden dargestellt und die erarbeiteten Ergebnisse erläutert.

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Felderforschung

Ein Studium mit Kind gestaltet sich laut dem Sonderbericht „Studieren mit Kind“, der 18. Sozialerhebung DSW, 2008, als langatmig. Ein Statement des Präsidenten des Deutschen Studentenwerkes, Prof. Dr. Rolf Dobischat, klingt entmutigend: „Studierende mit Kind müssen Studium, Kinderbetreuung und Job unter einen Hut bringen. Ihr Studium verläuft weniger reibungslos als das ihrer kinderlosen Mitstudierenden. Sie unterbrechen ihr Studium viermal häufiger als Studierende ohne Kind, Frauen häufiger als Männer. Die Unterbrechung dauert im Schnitt fünf Semester. Weniger als zwei Drittel realisieren ein Vollzeitstudium; mehr als die Hälfte ist nebenher erwerbstätig. Die familiäre Arbeitsteilung folgt traditionellen, geschlechtsspezifischen Mustern: Die studierenden Mütter übernehmen stärker die Kinderbetreuung, die studierenden Väter gehen stärker arbeiten.“ Und dennoch wirft die geringe Geburtenrate insbesondere bei Frauen mit hoher Bildungsaspiration die Frage auf, ob die Studienzeit nicht möglicherweise die beste Phase für die Familiengründung sei. Akademikerinnen, die nicht auf die Erfüllung ihres Kinderwunsches verzichten wollten haben häufig nach dem Modell „Qualifikation und späte Mutterschaft“ gelebt (vgl. Biller-Andorno, 2005, S. 11). Alternative Lebensverlaufsmöglichkeiten werden gesucht. Im Zuge dessen wurden die obengenannten, statistischen Erkenntnisse von verschiedenen Sozialforschern qualitativ hinterfragt. Die Ergebnisse zeigen, dass Studium und Kind sehr wohl miteinander in Einklang gebracht werden können. Es gibt eine Reihe nahezu maßgeschneiderte Unterstützungsangebote für ein Studium mit Kind. Einen hohen Stellenwert sehen die betroffenen Studenten in der flexiblen Lebensgestaltung und Studienorganisation. Auch die Semesterferien werden als ein sehr kinderfreundlicher Aspekt angesehen (vgl. Cornelißen/Fox, 2007, S. 185). Doch auch wenn ein Studium mit Kind zu einem erfolgreichen Ende gebracht werden kann, so folgt dann ein beruflicher Einstieg voller Kompromisse. Und schon bald stellt sich die Frage von der Vereinbarkeit von Kind und Karriere. Wirth/Dümmler (2004) prognostizieren aufgrund der Ergebnisse ihrer Kohortenanalyse, dass über 40% der Akademikerinnen in Deutschland kinderlos bleiben.

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Entwicklung von Forschungsfrage und Hypothesen

Entwicklung der Forschungsfrage Zu dem Thema „Familiengründung in der Zeit des Studiums“ lassen sich viele Arbeiten finden, die sich mit der Situation Studierender mit Kindern beschäftigten, deren finanzielle Rahmenbedingungen und der Zeitplanung studierender Eltern, genauso kann man viele Eindrücke im Bereich von „Karriere und Kind“ gewinnen. Bezugnehmend auf die Behauptung, dass die Zeit des Studiums die beste Phase für die Erfüllung des Kinderwunsches sei, stellt sich jedoch die Frage nach der beruflichen Zukunft der Studierenden mit Kind. Somit ergibt sich mit Bezug zum aktuellen Forschungsstand folgende Forschungsfrage: Welche Faktoren sind für die Umsetzung der beruflichen Ziele entscheidend, wenn die Familiengründung in der Zeit des Studiums stattgefunden hat. Hypothesen Die Forschungsfrage als solches grenzt den zu erforschenden Bereich bereits ein, dennoch ist der Rahmen, selbst bei der kleinsten Forschungsfrage, noch immer sehr groß. Aus den, von der Literatur gelieferten, Wissensbeständen und den empirisch, belegten Zusammenhängen des zu beforschenden Bereichs, werden Hypothesen generiert, die den Themenbereich noch weiter eingrenzen sollen (vgl. Flick, 2007, S. 123). Mit Hilfe der qualitativen Sozialforschung werden neue Aspekte, die in den erhobenen Daten zu finden sind, aufgezeigt. Es geht in diesem Bereich der Forschung nicht darum bestehende Theorien oder theoretische Ansätze zu überprüfen und zu hinterfragen. Genau das schlägt sich auch auf die zu generierenden Hypothesen nieder. Die Offenheit des Forschers ist auch beim generieren der Hypothesen gefragt. Um das vorliegende Forschungsthema weiter einzugrenzen wurden folgende Hypothesen generiert: H1: Die Gründung einer Familie im Lebensverlauf einer Absolventin eines Hochschulstudiums hat Einfluss auf die Entscheidungen für oder gegen sie als Bewerberin auf ein vakantes Stellenangebot. H2: Die Elternschaft wirkt sich auf den beruflichen Werdegang und auf das Erreichen geplanter beruflicher Ziele aus.

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Methodenauswahl, Qualitative Sozialforschung und theoretische Einbettung

Methodenauswahl Das allgemeine Ziel der Forschung ist die Entwicklung und Überprüfung von Theorien. Im Gegensatz zu der quantitativen Forschung beschäftigt sich die qualitative Forschung weniger mit numerischen Daten, sondern viel mehr mit sprachlich vermittelten Daten (vgl. Bortz/Döring, 1995, S. 271 f.). Den Anfang einer jeden qualitativen Forschung macht jedoch die Beobachtung (vgl. Brüsemeister, 2009, S. 24). Bezugnehmend auf die vorliegende Hausarbeit war durch die einschlägige Literatur zu erkennen, dass es keine neue Idee war ein Studium mit Kind zu absolvieren. Jedoch fiel die Suche nach einem alternativen Weg den Kinderwunsch mit den angestrebten beruflichen Zielen zu vereinbaren ins Auge. Die Behauptung, dass die Zeit des Studiums die beste Phase für die Realisierung des Kinderwunsches sei, ebnete den Weg für weitere Fragen und dem Wunsch dieser Behauptung und den damit verbundenen Konsequenzen auf den Grund zu gehen. Das Untersuchungsfeld qualitativer Methoden beschränkt sich nicht auf die künstliche Situation in einem Labor, sondern will vor allem das Handeln und Interagieren der Subjekte in ihrem Alltag erleben und analysieren (vgl. Flick, 2007, S. 27). Im Falle dieser Hausarbeit im Rahmen meines Studiums an der Fernuniversität Hagen sind die interagierenden und handelnden Subjekte die Frauen, welche die Gründung einer Familie in die Zeit des Studiums verlegt haben. Um sich den entscheidenden Faktoren für eine gelungene Umsetzung der beruflichen Vorstellungen zu nähern, wurde eine Befragung nach A. Witzels (2000) problemzentriertem Interview gewählt. Die Analyse der Daten erfolgt durch die „Grounded Theory“ nach Strauß und Corbin (1996). Qualitative Sozialforschung Wesentliche Merkmale der qualitativen Sozialforschung sind laut Flick (2007) die Gegenstandsangemessenheit von Methoden und Theorien, sowie die Berücksichtigung und Analyse unterschiedlicher Perspektiven. Genauso zeichnet das Eindringen in die Tiefenstruktur sozialer Wirklichkeit und die Offenheit für die Erfahrungen der Menschen die Methode der qualitativen Sozialforschung aus (vgl. Mikos/ Wegener, 2005, S. 10). Laut Strauß und Corbin (1996) gibt es in der qualitativen Sozialforschung drei Hauptbestandteile: - Daten - analytische/interpretative Verfahren - schriftliche/mündliche Berichte Die erwähnten Daten entstammen den verschiedensten Quellen. Interviews und Beobachtungen im Feld stellen jedoch die gängigsten Daten dar. Um zu neuen Theorien oder Befunden zu gelangen werden analytische oder interpretative Verfahren genutzt. Im Zuge dieser Hausarbeit wird im Folgenden noch näher auf die hier angewandte „Grounded Theory“ nach Strauß und Corbin eingegangen und in diesem Bereich nur am Rande erwähnt. Die qualitative Sozialforschung kann Auskunft über die Motive und Strukturen verschiedener Phänomene liefern, da sie mit ihren Verfahren den Alltag und die Lebenswelt der Menschen „von innen heraus“ zu verstehen sucht. Die Methoden werden den Fragestellungen und zu untersuchenden Gegenständen angepasst (vgl. Mikos/Wegener, 2005, S. 10). Auch vor wissenschaftlichen Forschungsmethoden macht der Fortschritt nicht halt und somit ist auch im Bereich der qualitativen Sozialforschung das Internet als Forschungsgegenstand zu nennen. Kommunikative Beziehungen können jenseits von zeitlicher und räumlicher Präsenz geführt werden. Allerdings ist eine relativ umfassende Erfahrung mit Computern, Software und den Formen der Online-Kommunikation von Nöten, um eine Online- Forschung in Betracht zu ziehen (vgl. Flick, 2007, S. 335). Der qualitative Forscher kann nur mittels kommunikativer Beziehungen die soziale Welt und die Bedeutung der Subjekte erschließen (vgl. Früh, 2000, S. 2). Die qualitative Sozialforschung berücksichtigt auch die non-verbalen Aspekte der Kommunikation. Das erfolgreiche Gelingen der Datenerhebung per Interview beruht auf einem mehr oder weniger spontanen Dialog zwischen Interviewer und Interview-Partner. Dem Austausch „face-to-face“ am nächsten kommt eine Interview-Situation per Chat. Fragen und Antworten können ausgetauscht werden, während beide zur gleichen Zeit online sind (Flick, 2007, S. 336 f.). Die Grenzen dieser Befragungsmethode sind in Hinsicht auf die non-verbale und paralinguistischen Anteile der Kommunikation aufzuzeigen. Diese lassen sich nur schwerlich darstellen und analytisch mit einbeziehen. Hilfreich ist diese Methode jedoch bei Interview-Partnern, die schwer zu erreichen sind oder die aus persönlichen Gründen eine „face-to-face“ – Situation ablehnen. Ebenso kann die gegebene Anonymität von Vorteil sein. Desweiteren fällt der zeitraubende Schritt des Transkribierens weg (Flick, 2007, S. 340). Theoretische Einbettung Die theoretische Rahmung des zu erarbeitenden Forschungsthemas sieht die Erstellerin dieser Hausarbeit in der Individualisierungstheorie nach Ulrich Beck und in den akteurtheoretischen Ansätzen nach Uwe Schimank. Die traditionellen Vorgaben für die Biographie der Menschen haben mehr und mehr an Bedeutung verloren. Jeder Mensch kann seinen Lebensweg selbst zeichnen, aus der „Normalbiographie“ wurde die „Wahlbiographie“. Dieser Wandel lässt sich mit Beck-Gernsheim (1983) auf die Formel „Dasein für Andere“ zum „Anspruch auf ein Stück eigenes Leben“ beziehen. Der Begriff der Individualisierung stammt aus der Soziologie und bezeichnet einen mit der Industrialisierung und Modernisierung der westlichen Gesellschaften einher-gehenden Prozess eines Übergangs des Individuums von der Fremdzur Selbstbestimmung (vgl. Beck, 2008, S. 326). Diese Selbstbestimmung ist es auch, die studierenden Frauen mit Kinderwunsch Wege zu alternativen Lebensverlaufsformen möglich macht. Die persönliche Biographie wird zunehmend aus vorgegebenen Fixierungen herausgelöst und somit Gegenstand individuellen Handelns. Lebenswege, die in traditionellen Gesellschaften durch Statusmerkmale – etwa Geschlecht, Nation, Hautfarbe, soziale Herkunft, Besitz bzw. Nichtbesitz an Grund und Boden – detailliert festgelegt waren, fallen in der Moderne in den Entscheidungsbereich eines jeden einzelnen Individuums. Das bezieht sich insbesondere auch auf Schulabschlüsse, oder auf die individuelle Berufswahl (vgl. Beck, 1986, S. 58). Schimank typisiert vier Akteurmodelle: den rational-handelnden Homo Oeconomicus, den an sozialen Normen ausgerichteten Homo Sociologicus, den affektuell handelnden „emotional man“ und letztlich den Identitätsbehaupter, der sein Handeln am eigenen Selbstbild orientiert (vgl. Schimank, 2002). Das Modell des Homo Sociologicus ist in erster Linie durch ein Streben nach Erwartungssicherheit geprägt. Diese Erwartungssicherheit wird dem Akteur durch normative Handlungsorientierungen geliefert. Handlungen im Rahmen dieses Akteurmodells sind hier vor allem Rollenhandlungen, denn in ihnen repräsentiert sich Erwartungshandeln. Letztlich orientieren sich die Erwartungen sowohl an der Bezugsgruppe als auch an der Internalisierung. Unter Internalisierung ist die Selbstwahrnehmung der Rollenerwartung durch den Akteur zu verstehen (vgl. Schimank, 2002, S. 69). Im Zusammenhang mit der vorliegenden Arbeit bezieht sich das Akteurmodell des Homo Soziologicus auf die Frau, die sich für die Gründung einer Familie entschließt. Die befragten, betroffenen Frauen sehen sich in erster Linie in ihrer Rolle als Mutter und in zweiter Linie Studentin bzw. im späteren Lebensverlauf als Berufstätige. Ein weiteres, mit der theoretischen Rahmung dieser Forschungsarbeit in Verbindung stehende, Akteurmodell ist der Identitätsbehaupter. Schimank selbst gesteht an dieser Stelle ein, dass dieses Akteurmodell noch nicht vollständig ausgearbeitet ist. Dennoch sollte hier die Identität als Selbstbild begriffen werden, das sich sowohl aus evaluativen Selbstansprüchen, als auch aus normativen Selbstansprüchen, welche das Gewissen des Akteurs widerspiegeln, zusammensetzt (vgl. Schimank, 2002, S. 121-143). So wollen Frauen, welche sich für den alternativen Weg des Studiums mit Kind entscheiden, sowohl ihre klassische Rolle als Mutter erfüllen, aber dennoch beruflich auf eigenen Beinen stehen und ihren eigenen beruflichen Weg einschlagen. Ein Mensch wird motiviert zu handeln, wenn er mit aktuellen oder antizipierten Identitätsbedrohungen konfrontiert wird. Das kann z. B. die vermutete oder bereits stattfindende Entindividualiserung (z.B. die klassische Rolle der Mutter und Ehefrau), die durch Rollenzwänge eingeläutet wird, aber auch eine unmittelbare Existenzbedrohung der Person sein (vgl. Schimank, s. o.).

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Problemzentriertes Interview (PZI) nach A. Witzel und Grounded Theory (GT) nach Strauss und Corbin

Problemzentriertes Interview (PZI) nach A. Witzel In dieser Hausarbeit stehen die entscheidenden Faktoren für eine gelingende Umsetzung der beruflichen Ziele im Vordergrund. Um diesem Thema auf den Grund zu gehen, werden biographische Daten von betroffenen Personen benötigt. Im vorliegenden Fall Frauen, die in der Zeit ihres Studiums Mutter geworden sind und bereits im Berufsleben stehen. Nach ausführlicher Beschäftigung mit den verschiedenen in Frage kommenden Erhebungsmethoden, fiel die Entscheidung auf das Problemzentrierte Interview (PZI) nach Witzel. Anhand eines Leitfadens, der aus Fragen und Erzählanreizen besteht werden bestimmte Daten thematisiert. In der Methodenbezeichnung findet sich bereits eines der drei zentralen Kriterien: die Problemzentrierung. Der Forscher soll sich an einer relevanten, gesellschaftlichen Problemstellung orientieren. Das zweite Kriterium stellt die Gegenstandsorientierung dar. Die Methoden sollen am Gegenstand orientiert entwickelt, bzw. modifiziert werden. Das letzte Kriterium bildet schließlich die Prozessorientierung in Forschungsprozess und Gegenstandsverständnis (vgl. Witzel, 2000, S. 2 ff.). Das PZI zählt in der qualitativen Sozialforschung zu den wenig oder teilstrukturierten Interviews, die sich zwar an einem Leitfaden orientieren, aber trotzdem eine relativ freie Gestaltung der Interviewsituation zulassen. Der Leitfaden dient im Grunde nur der thematischen Orientierung und räumt dem Befragten sehr weitgehende Artikulationschancen ein (vgl. Mikos/Wegener, 2005, S. 259 ff.). So ist es dem Interviewer frei überlassen beispielsweise die Reihenfolge der Fragen, die Änderung der Frageformulierung oder sogar die Streichung einer Frage vorzunehmen. Das Interview soll der Situation möglichst gut angepasst sein, um eine authentische Gesprächssituation herzustellen (vgl. Witzel, 2000, S. 5). Der Interviewer nimmt eine sehr aktive Rolle ein, damit stets die Problemzentrierung gesichert ist. Um den Erkenntnisfortschritt zu optimieren, werden dazu zwei Gesprächstechniken flexibel eingesetzt: Für die erzählungsgenerierende Kommunikationsstrategie kann und soll der Interviewer gezielt Nachfragen stellen, um den Befragten zu immer weiteren Aussagen anzuregen. Demgegenüber dient die verständnisgenerierende Kommunikationsstrategie der Selbstreflexion, indem das Gesagte zurückgespiegelt wird. Dadurch kann der Befragte noch Korrekturen vornehmen. Zusätzliche Konfrontationen können dabei zu weiteren Differenzierungen und Stellungnahmen anregen (vgl. Witzel, 2000, S. 5 f.). Das PZI ist eine der wenigen Methoden, die das Einbinden von Vorwissen akzeptiert, was aber nicht dazu führen soll, Hypothesen ex ante zu bilden, um diese im Interview zu überprüfen. Witzel beschreibt den Prozess als induktivdeduktives Wechselverhältnis: Vorwissen (Theorie) und neue Informationen aus dem Interview werden immer wieder aneinander abgeglichen (vgl. Witzel, 2000, S. 2). Grounded Theory (GT) nach Strauss und Corbin Anselm Strauss und Juliet Corbin (1996, S.7) definieren die Grounded Theory folgendermaßen: „Eine ‚Groundet Theory‘ ist eine gegenstandsverankerte Theorie, die induktiv aus der Untersuchung des Phänomens abgeleitet wird, welches sie abbildet“. Der Begriff „Grounded Theory“ wird sowohl für ein Set an systematischen Methoden, als auch für das Ergebnis des Forschungsprozesses gebraucht. Dadurch stellt sich die Frage, ob die Grounded Theory nun eine Methode, eine Methodologie oder eine spezifisch gestaltete Theorie darstellt. Mit Grounded Theory wird sowohl die Theorie, als auch der Prozess ihrer Generierung, welcher die Verwendung systematischer Methoden einschließt, bezeichnet. Diese doppelte Verwendung des Begriffes liegt in der Erkenntnistheoretischen Position der Grounded Theory, genauer der Position Anselm Strauss‘, begründet, welche davon ausgeht, dass die Qualität einer Theorie im Prozess ihrer Generierung begründet liegt (Strauss/Corbin, 1996, S. 7 ff.). Mit dem Begriff des Kodierens wird der zentrale Analyseprozess der Grounded Theory bezeichnet. Es bestehen drei Analysephasen: · Das offene Kodieren, das der Benennung von Konzepten und dem Herausarbeiten von Kategorien dient · Das axiale Kodieren, in welchem die Achsenkategorien und ihre Beziehungen herausgearbeitet werden · Und das selektive Kodieren, bei dem die Kernkategorie gefunden und die Theorie aufgestellt wird. Dabei ist zu beachten, dass Kodieren „keine eindeutige Schrittfolge, sondern vielmehr verschiedene Umgangsweisen mit textuellem Material […], zwischen denen der Forscher bei Bedarf hin und her springt“ (vgl. Flick, 2007, S. 388) darstellt. Es existiert keine vorgegebene Reihenfolge, die der Forscher nacheinander abarbeiten kann, weshalb eine Kombination der einzelnen Schritte möglich und meistens sogar erforderlich ist. Hinter dem Analyseprozess steht die Methode des ständigen Vergleiches. Alle in der Forschung gewonnenen Daten werden fortwährend mit neu gewonnenen Daten verglichen und ggf. neu kodiert. Die Ergebnisse der einzelnen Auswertungen haben dabei Einfluss auf die Auswahl der weiteren zu erhebenden Daten. Ein weiterer grundlegender Schritt der Grounded Theory ist es, das eng mit dem Kodierprozess verwobene theoretische Sampling der Daten. Das theoretische Sampling beschreibt ein Verfahren zur Auswahl der zu untersuchenden Daten. Die Auswahl der Daten erfolgt dabei nach „theoretischer Absicht und Relevanz“( vgl. Glaser/Strauss 1998, S. 56) und nicht äußeren Zwängen. Dabei ist dies natürlich eine Ideal-Vorstellung, da auch Forscher der Grounded Theory strukturellen Zwängen unterliegen. Glaser und Strauss betonen dennoch, dass diese nicht zum Leitfaden der Datenauswahl werden dürften. Grundlegende Fragen des theoretischen Samplings sind: „Welchen Gruppen oder Untergruppen wendet man sich zwecks Datenerhebung in nächsten Schritt zu? Und mit welcher theoretischen Absicht?“(Glaser/Strauss 1998, S. 55). Forschen im Sinne der Grounded Theory erfordert ein ständiges Wechselspiel von Auswahl, Analyse und Theoriebildung.

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Datenerhebung im Feld

Feldzugang Um der Frage nach den Bedingungen für den beruflichen Einstieg und der Entwicklung der beruflichen Laufbahn auf den Grund gehen zu können, bot es sich an mit Frauen zu sprechen, die bereits ein Studium abgeschlossen haben und im Berufsleben stehen. Die Suche nach geeigneten Personen stellte sich als schwieriger heraus als zunächst angenommen. Von vier Frauen, die auf die Anfrage mir als Interview-Partnerinnen zur Verfügung zu stehen, zugesagt hatten, blieben am Ende nur zwei. Bei den Interview-Partnerinnen handelt es sich zum einen um die 32 jährige, alleinerziehende Mutter zweier Kinder, die nach dem erfolgreichen Abschluss eines Sozialpädagogik Studiums einer Teilzeittätigkeit (30 Std.) in der Jugend- und Drogenberatung nachgeht. Vor ihrem Studium hatte sie bereits erfolgreich eine Ausbildung zur Erzieherin abgeschlossen und 2008 ihr Studium beendet. Im Folgenden steht das Pseudonym E. S. für diese Interview- Partnerin. Die zweite Interview-Partnerin, Frau F. (38) lebt mit ihrem Mann, ihren drei Kindern und den Schwiegereltern zusammen. Sie hat den Diplomstudiengang Psychologie mit dem Schwerpunkt Arbeits- und Organisationspsychologie im Jahr 1997 erfolgreich abgeschlossen. Sie arbeitet derzeit als Personalreferentin in einem großen, deutschen Automobilkonzern. Ihre wöchentliche Arbeitszeit beträgt ebenfalls 30 Stunden. Die Umsetzungen der Interviews gestalteten sich sehr unterschiedlich. Während es möglich war mit Frau F. einen Termin zu vereinbaren und ein direktes „face-to-face“ Gespräch zu führen, war es für das Interview mit E.S. einfacher auf das Online-Verfahren zurückzugreifen. Aus technischen Gründen war es nicht möglich das Interview per „Skype“ durchzuführen, von daher nutzten wir die Kommunikationsplattform „ICQ“ und führten ein Chat-Interview durch. Beide Gesprächssituationen wurden von den Beteiligten als entspannt und angenehm empfunden. Bereits bei den diversen Kontakten vor dem eigentlichen Interview war es einfach ins Gespräch zu kommen. Gegenseitige Sympathien wurden recht schnell entwickelt, was sicherlich ebenfalls zu den angenehmen Interview-Situationen beigetragen hat. Interview Das erste Interview mit E.S. fand recht spät am Abend statt, da sowohl die Interview-Partnerin, als auch die Interviewerin eine ungestörte Situation zusichern wollten. Gegen 22 Uhr fanden sich beide in der zuvor vereinbarten Kommunikationsplattform ein. Das „Gespräch“ war von Anfang an eng verknüpft mit den Fragestellungen auf dem zuvor ausgearbeiteten Leitfaden. Dieser Leitfaden wurde nach Sichtung eines von E.S. ausgefüllten Kurzfragebogens erstellt. Im Kurzfragebogen wurden grundlegende Fragen nach dem Familienstand, der Anzahl der Kinder sowie der Dauer des Studiums und des erreichten Abschlusses gestellt. Gerade bei diesem, für die Interviewerin, ersten Versuch eines Interviews nach Witzel war es nicht einfach die Anforderungen des PZI einzuhalten. Die relativ offen gehaltene „vorformulierte Eingangsfrage“ sollte einen guten Einstieg in die Thematik bieten (vgl. Witzel, 2000, S. 5). Im Nachhinein stellte sich die gewählte Frage in diesem ersten Interview mit E.S. als vermutlich sehr ungünstig und viel zu sehr beschränkt auf eine vorgegebene Richtung dar. Der weitere Verlauf des Chatinterviews klammerte sich an präzise gestellte Fragen, eine offene, freie Erzählsituation ist leider nicht entstanden. Das zweite Interview fand an einem Vormittag bei der Interview-Partnerin Zuhause statt. Der Leitfaden für dieses Interview stand wieder in Verbindung mit dem vorab angefertigten Kurzfragebogen und enthielt einige Anmerkungen zu den künftigen Fragestellungen und Gesprächsentwicklungen und wie diese womöglich günstig zu beeinflussen wären. In diesem Interview ist es der Interviewerin besser gelungen sich an die Vorgaben des Problemzentrierten Interviews nach Witzel zu halten. Gelegentlich gestaltete sich das Gespräch so offen, dass es einer Aufforderung bedurfte, um die eigentliche Thematik nicht aus den Augen zu verlieren. Doch ist es deutlich, dass in keinem der beiden Interviews durchgehend alle Fragen aus dem laufenden Gespräch entwickelt werden konnten, sondern immer wieder eine „gewöhnliche“ Interview-Situation entstanden war.

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Auswertung

Auswertung Der erste Schritt der Datenanalyse ist es das „Rohmaterial“ zu Konzeptualisieren. Beim offenen Kodieren werden die Daten analytisch aufgeschlüsselt (vgl. Strauss/Corbin, 1996, S. 45). Die Erstellerin dieser Hausarbeit ging dafür zunächst Satz für Satz des transkribierten Interviews durch und fügte zu allen Äußerungen, die sich auf das zentrale Phänomen bezogen, Randnotizen ein. In einem zweiten Schritt wurden aus den Randnotizen Konzepte. Es wurde nach bestimmten Eigenschaften und der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe gesucht – der Beziehung zu einem ähnlichen Phänomen. So entstanden die verschiedenen Kategorien. Nach dem axialen Kodieren werden die Kategorien auf neue Art zusammengesetzt, dazu benötigt man ein Kodier-Paradigma, das aus Bedingungen, Kontext, Handlungs- und interaktionalen Strategien und Konsequenzen besteht (vgl. Strauss/Corbin, 1996, S. 75). Im Auswertungsprozess spielt die Suche nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden eine große Rolle. Der erste sich deckende Zusammenhang, der auffällig wurde, ist die Bereitschaft sich bewußt auf Kompromisse (Kategorie) und alternative Wege einzulassen (E.S. Z.:20/21/27/63/ 65/66 // Frau F. Z: 17-27). Doch wählten beide Frauen einen unterschiedlichen Weg die Alternativen zu gestalten. So überdachte Frau F. ihre gesamten beruflichen Wünsche und veränderte, nach einigen Gesprächen mit einer Vertrauensperson, ihren Studiengang (Frau F. Z.: 19-27), während E.S. an ihren beruflichen Vorstellungen festhielt (E.S. Z.:18 – 21/53/54). E.S. passte ihr Studium der Situation Zuhause an und trat beruflich somit einen Schritt zurück (E.S. Z.:27). Aus den Äußerungen von Frau F. geht hervor, dass sowohl Kinderbetreuung als auch das Studium sich recht ausgewogen gegenüberstanden (Frau F. Z.: 59-68), dennoch befand sich Frau F. in einem Zwiespalt und hatte das Gefühl weder den Kindern noch dem Studium wirklich gerecht zu werden (Frau F. Z.: 73-77). Eine ähnliche Aussage lässt sich auch im Gespräch mit E.S., in den Zeilen 29-31, finden. Aus beiden Interviews ging hervor, dass ein gut funktionierendes familiäres Netzwerk zur Sicherung der Kinderbetreuung (Kategorie) von großem Nutzen ist (E.S. Z:40/41 // Frau F. Z.: 62/63/140/141). So wurde auch bei jedem Bewerbungsgespräch immer wieder das Thema Kinderbetreuung (Kategorie) angesprochen, dicht gefolgt von der Flexibilität. So sah E.S. hier eine direkte Einschränkung und einen Nachteil für ihren Berufseinstieg (Z.: 98). Frau F. hingegen thematisierte die Flexibilität nur im Zusammenhang mit einer konzerninternen, beruflichen Veränderung und argumentierte mit der Größe und dem engmaschigen Netzwerk des Konzerns (Z.: 215 – 219). Allerdings stellte sich der Erstellerin der Hausarbeit in der Aufarbeitung der Daten die Frage, ob der Fragen-Antwort-Bereich mit Bezug zum beruflichen Einstieg von Frau F. sehr aussagekräftig ist. An dieser Stelle kommt es zu einem extremen Abweichen von der eigentlichen Thematik und beide Gesprächspartner wechseln zu einem eher weniger informativen, beinahe „flapsigem“ Erzählstil (Z.: 99 – 134). Deutlich wurde auch, dass beide Frauen nach dem Studium unbedingt in ihrem Beruf arbeiten wollten. Allerdings hatten beide Interview-Partnerinnen unterschiedliche Motive. E.S. war als alleinerziehende Mutter darauf angewiesen ihre Familie finanziell abzusichern (Z.:54 – 56), während Frau F. gern praktische Erfahrungen sammeln wollte, aber nicht auf Kosten ihrer Kinder (Z.:138 -140). Beide Frauen plädierten für eine 30-Stunden-Stelle. Für E.S. war dies zwar auch das Höchstmaß, aber es würde die finanzielle Situation deutlich entschärfen (Z.: 63-69), während Frau F. ihre Priorität (Kategorie) in Bezug auf diese Entscheidung im Bereich der Kinderbetreuung deutlich machte (Z.: 138/176-181). Die Bewerbungen wurden an alle Bereiche versandt, die mit dem erreichten Abschluss in Frage kamen (E.S. Z.: 64-66 // Frau F. Z.: 166-169). Somit kam die Erstellerin zu der Schlussfolgerung, dass nicht die Tätigkeit als solche höchste Priorität hat, sonder viel mehr der Einstieg in das Berufsleben vorrangig ist. Keine der beiden Frauen fühlt sich durch ihre Kinder beruflich eingeschränkt (E.S. Z.: 77-83//Frau F. Z.:188-192/214-221), allerdings ist auch keine bereit auf der Stelle zu treten. Beide wollen sich beruflich weiterentwickeln. Frau F. tendiert dahin dies in kleineren Schritten zu tun (Z.:175/189 – 192), während E.S. eher die Zeit anvisiert, wenn ihre Kinder selbständiger sind und weniger auf ihre Mutter angewiesen. H1: Die Gründung einer Familie im Lebensverlauf einer Absolventin eines Hochschulstudiums, hat Einfluss auf die Entscheidungen für oder gegen sie, als Bewerberin auf ein vakantes Stellenangebot. Nach der Analyse der beiden Interviews zum Thema „Familiengründung in der Zeit des Studiums“, lässt sich sagen, dass die Familienplanung insofern Einfluss auf die Entscheidung eines Arbeitgebers hat, als dass für diese die Organisation der Kinderbetreuung von besonderer Wichtigkeit ist. Ein weiterer ausschlaggebender Punkt ist die Größe des Konzerns bei dem die Bewerbung eingeht. Von beiden Interview-Partnerinnen wurden Merkmale des Arbeitgebers angemerkt, die eine eventuelle Einstellung beeinflussen könnten. So sehen die betroffenen Frauen bessere Bedingungen bei einem größeren Konzern mit einem engmaschigerem Netzwerk, sodass ein mögliches Ausfallen aufgrund der familiären Situation, gut aufgefangen werden kann (E.S. Z.:95-97// Frau F. Z.: 215-219). Die Entscheidung für oder gegen einen Bewerber mit Kind ist also viel mehr von organisatorischen Fügungen abhängig, als allein von der Tatsache, dass der Bewerber bereits ein oder mehrere Kinder hat. Die Personalverantwortlichen im Bewerbungsgespräch von Frau F. erwähnten ihr abgeschlossenes Hochschulstudium mit Kind lobend (Z.: 155-157), woraus sich womöglich ableiten lässt, dass die Tatsache des erfolgreich beendeten Studiums eine gelungene Organisation der familiären Verhältnisse voraussetzt. H2: Die Elternschaft wirkt sich auf den beruflichen Werdegang und auf das Erreichen geplanter beruflicher Ziele aus. Die Auswirkungen der Elternschaft zeigen sich insbesondere im Berufseinstieg, bei welchem sich die Bewerberinnen eher auf dargebotene Stellen mit entsprechender Arbeitszeit (30 Stunden in diesem Fall) beworben haben, als auf vakante Stellen, die ihre Erfahrungen aus dem Studium und ihre beruflichen Wunschvorstellungen unterstützen. Pläne des beruflichen Weges werden auf einen späteren Zeitpunkt verschoben oder in kleineren Dimensionen umgesetzt. Insgesamt müssen bei einem Berufsbeginn mit Kind einige Kompromisse in Kauf genommen werden und die beruflichen Wege gestalten sich mit Kind weniger gradlinig. Im Prozess des Selektiven Kodierens wird eine Kernkategorie entwickelt. Die Kernkategorie ist das zentrale Phänomen und verbindet alle Kategorien miteinander (Strauss/Corbin, 1996, S. 94). Für den beruflichen Einstieg nach einem Studium, in dessen Verlauf bereits eine Familie gegründet wurde, ist ein hohes Maß an Kompromissbereitschaft unabdingbar. Man muss sich bewusst sein wie viele Stunden man in der Woche arbeiten kann und will, dementsprechend muss man eventuell einen alternativen Weg entgegen der ursprünglichen beruflichen Ziele einschlagen. Das Kind und den beruflichen Start und Weg miteinander in Einklang zu bringen funktioniert nur mit einem ausgefeilten, organisatorischen System, insbesondere mit Bezug zur Kinderbetreuung. Doch haben die betroffenen Frauen bereits ein Hochschulstudium erfolgreich beendet und wissen zumeist welche organisatorischen Pflichten es zu erfüllen gilt. Somit ergibt sich folgende materiale Theorie (aus Daten gewonnene Theorie) nach der Analyse der Interviews und mit Hinblick auf die gestellte Forschungsfrage: Aus den Interview-Texten wurde die Kernkategorie Kompromissbereitschaft extrahiert, die folgende Dimensionen aufweist: Dauer (anhaltend) und Intensität (hoch). Die Kompromissbereitschaft mit Bezug auf das Umsetzen der beruflichen Vorstellungen, führen zur Planung der alternativen, beruflichen Verläufe und der Durchführung organisatorischer Maßnahmen (z.B. Kinderbetreuung), die durch Motivation, dem Streben nach der eigenen beruflichen Verwirklichung und der Rahmenbedingungen moderiert sind und deren Ziel ein erfolgreiches Gelingen des erwünschten beruflichen Verlaufes ist.

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Fazit und Ausblick

Fazit und Ausblick Das von der Erstellerin dieser Arbeit ausgewählte Thema „Familiengründung in der Zeit des Studiums“ ist ein Bereich, der viele verschiedene Facetten aufweist. Für einen Einblick auf den Bezug zu den entscheidenden Faktoren für ein gelingendes Umsetzen der beruflichen Ziele waren die angewandten Methoden gut gewählt. Auch wenn im ersten Umsetzen des Problemzentrierten Interviews einige Fehler gemacht wurden, so kann rückblickend dennoch behauptet werden, dass die erhaltenen Daten eine gute Basis darstellten, mit der es sich angenehm arbeiten ließ. Interessant im Bezug auf die verschiedenen Interview-Situationen waren die Unterschiede von einem Chat-Interview zu einer „face-to-face“ Interview- Situation anzusehen. So war am deutlichsten zu erkennen, dass in dem Selben Befragungszeitraum, während des Chat-Interviews, ein viel geringerer Informationsaustausch stattgefunden hat, als im persönlichen Gespräch. So lässt sich Rückblickend sagen, dass es vielleicht ein Problem darstellen könnte, wenn ein Interview-Partner bei der Verwendung des Chat-Interviews, es nicht gewohnt ist präzise Sätze zu verfassen und eine gewisse Schnelligkeit beim „Tippen“ nicht gegeben ist. Die Wartezeiten bis zur folgenden gestellten Frage bzw. der gegebenen Antwort kann sehr lang sein und es besteht die Möglichkeit, dass einer der Interview-Partner nicht ständig voll in das Thema vertieft ist. Die Phase des Analysierens der in den Interviews erhaltenen Daten verlief, entgegen vorheriger Befürchtungen, sehr zufriedenstellend. Die Erstellerin dieser Hausarbeit führte sich während der Arbeit mit der Grounded Theory stets vor Augen, dass der Weg das Ziel sei. Diese Hausarbeit dient nicht ausschließlich der Erkenntnisgewinnung in dem zu erforschendem Bereich, sondern vielmehr auch der Erweiterung des eigenen Wissensstandes und der eigenen Fähigkeiten im Umgang mit wissenschaftlichen Daten. Nach anfänglichen Unsicherheiten, übereilten Entschlüssen und etlichen Hundertachtziggradwendungen, stand, als die Analyse der Daten in den Vordergrund trat, der Rahmen fest und eine gewisse Vertrautheit und Sicherheit mit der Forschungsarbeit hatte sich eingestellt. Das Auswertungsprogramm MAXQDA stellte sich als besonders hilfreich dar, der Fülle an Memos, Kodes und Kategorien Herr zu werden und nicht den Überblick zu verlieren. Die Datenanalyse mit der Grounded Theory erweist sich im Rückblick als zeitaufwendig und anspruchsvoll, ein diszipliniertes und doch offenes Vorgehen wurde zur Voraussetzung. Sehr vorteilhaft zeigte sich die systematische und nachvollziehbare Beschreitung der Auswertung. Durch die minutiöse Analyse dringt man tief in die feinen Vernetzungen der erworbenen Daten ein, was einen sehr detaillierten Zugang zu dem Forschungsthema ermöglicht. Am Ende dieser Hausarbeit steht nun eine Theorie, die noch viel Spielraum für weitere Fragestellungen lässt. So wäre es bei einer größer angelegten Studie sicherlich interessant und auch relevant die sozialen Hintergründe der zu untersuchenden Gruppe darzustellen und in Verbindung zu bringen. So ergibt sich aus einen gutfunktionierenden familiären Netzwerk sicherlich die ein oder andere Erleichterung. Genauso wäre eine weitere Befragung zu dem Zeitpunkt des Eintrittes in das Rentenalter (im Rahmen einer Langzeitstudie) relevant, um zu erfahren ob die Pläne der betroffenen Frauen sich „zu einem Zeitpunkt zu dem die Kinder weniger auf die Betreuung und Unterstützung der Mutter an-gewiesen sind, beruflich weiterzuentwickeln“ erfüllt worden sind. Am Ende bleibt nun das Gefühl das Universum der sozialwissenschaftlichen Forschung nur an der Oberfläche berührt zu haben und der Wunsch noch einmal tiefer in die Materie eintauchen zu können.

25.1.11 10:22, kommentieren

Literaturverzeichnis

Literaturverzeichnis Biller-Andorno, N. (2005): Karriere und Kind - Erfahrungsberichte von Wissenschaftlerinnen, Frankfurt am Main. Beck, U. (1986): Risikogesellschaft, Frankfurt am Main. Beck, U. (2008): Die Individualisierungsthese von Ulrich Beck, in: Peuckert, R.: Familienformen im Sozialenwandel, Wiesbaden. Beck-Gernsheim, E. (1983): Vom „Dasein für Andere“ zum Anspruch auf ein Stück „eigenes Leben“ – Individualisierungsprozesse im weiblichen Lebenszusammenhang, in: Soziale Welt 3, S. 307 – 341 Bortz, J./Döring, N. (1995): Forschungsmethoden und Evaluation für Sozialwissenschaftler (2. Auflage), Heidelberg. Brüsemeister, T. (2009): Qualitative Sozialforschung - Ein Überblick. Kurs 3702. Hagen: FernUniversität. Cornelißen, W., Fox, K. (2007): Studieren mit Kind. Vereinbarkeit von Studium und Elternschaft: Lebenssituationen, Maßnahmen und Handlungsperspektiven (1. Auflage), Wiesbaden. Dobischat, R. (2008): Pressekonferenz zum Sonderbericht „Studieren mit Kind“ der 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks, Berlin. Abgerufen am 25. August 2010 um 23:90 Uhr von, http://www.studentenwerke.de /pdf/PK_Studieren_mit_Kind_08_Statement.pdf Flick, U. (2007): Qualitative Forschung – Eine Einführung (3. Aufl.) rowohlts enzyklopädie. Reinbeck bei Hamburg. Glaser, B. G., & Strauss, A. L. (1998): Grounded Theory: Strategien qualitativer Forschung (1. Aufl.). Huber, Bern. Isserstedt, W., Middendorf, E., Fabian, G. , Wolter, A. (2008): Studieren mit Kind - Ergebnisse der 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes, Berlin. Abgerufen am 25. August 2010 um 23:30 Uhr von, http://www.studentenwerke. de/pdf/Studieren_mit_Kind_Februar_2008.pdf Mikos, L., Wegener, C. (2005): Qualitative Medienforschung – ein Handbuch, Konstanz. Peuckert, R. (2008): Familien im sozialen Wandel (7. Auflage), Wiesbaden Schimank, U. (2002): Handeln und Strukturen – Einführung in die akteurtheoretische Soziologie (2. Auflage), Weinheim. Strauss, A.L., Corbin, J.M. (1996): Grounded Theory – Grundlagen Qualitativer Sozialforschung, Weinheim. Witzel, A. (2000): Das problemzentrierte Interview [25 Absätze]. Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research, 1(1), Art. 22, Abgerufen am 25. August 2010 um 23:30 Uhr von, http://www.qualitativeresearch. net/index.php/fqs/article/view/1132/2520

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Seitensprung

Sie schlug die Augen nieder unter seinem erwartungsvollen, beinahe herausfordernden Blick. Was tat sie hier um Himmelswillen? Eigentlich hatte sie nur Jaspers Schuhe vorbeibringen wollen, die dieser beim Spielen am Nachmittag in der Sandkiste ihrer Kinder vergessen hatte. Nun stand sie mit Markus, Jaspers Vater, in dessen Küche, ein Glas Wein in der Hand und flirtete auf Teufel komm raus, während ihr Mann zu Hause auf sie wartete.

Ja, heute war einer der wenigen Abende an denen er mal auf sie wartete. Genau genommen war dieser Umstand seit der Geburt ihrer ältesten Tochter nicht mehr vorgekommen. Sie hatte jeden Abend bei den Kindern verbracht, während er, der erfolgreiche Manager, sich in seinem beruflichen Ruhm sonnte. Theaterbesuche, Anwesenheitspflicht bei größeren und kleineren Sportveran-staltungen, Feierlichkeiten mit Kollegen und so weiter. Von den Dienstreisen weltweit gar nicht zu sprechen.
Sie blieb zu Hause, ohne sich zu beschweren. Sie hatte die Kinder gewollt, hatte freiwillig auf eine Karriere verzichtet und genau wie ihr Mann konnte sie sich nicht vorstellen, dass ihre Kinder von fremden Personen betreut werden sollten. Dafür waren sie noch viel zu klein. Dennoch atmete sie insgeheim erleichtert auf, bei dem Gedanken, dass es nur noch wenige Monate bis zum 3. Geburtstag ihrer Großen waren und diese dann den Kindergarten besuchen würde. Sie erhoffte sich ein wenig Zeit zum durchatmen, ein bisschen Zeit, die sie ausschließlich mit ihrem jüngeren Kind verbringen konnte. Und vielleicht auch ein wenig Zeit, die sie für sich allein einplanen konnte.

Sie hörte ihrem Gegenüber nur halbherzig zu, genauso wie dieser nur ziemlich halbherzig von der Reise seiner Frau zu deren Mutter berichtete. Viel zu sehr waren sie damit beschäftigt sich vieldeutige Blicke zuzuwerfen.
Sie betrachtete verstohlen ihr Spiegelbild in der gläsernen Tür des Backofens und war mit dem was sie sah recht zufrieden. Obwohl die Geburt ihrer kleinen Tochter erst zwölf Wochen zurück lag, schien ihre Figur im Großen und Ganzen recht passabel. Oder gerade deswegen. Schwangerschaften hatten bei ihr mehr Erfolg als jede nur erdenkliche Diät, leider brauchte sie in der Stillzeit kalorienreiche Lebensmittel nur in der Fernsehwerbung sehen… sofort purzelten die Pfunde wieder auf ihre Hüften. Doch diesmal war sie vorgewarnt und versuchte sich Süßigkeiten zu verkneifen. Leichter gesagt, als getan.
„Und ihre Kinder liegen auch schon in den Federn? Ist ihr Mann heute Abend zu Hause?“, seine ruhige, tiefe Stimme riss sie aus der Betrachtung ihres Spiegelbildes. Sie schenkte ihm ein warmes Lächeln.
„Oh ja, die Mädchen schlafen.“, erwidere sie mit sanfter Stimme, in der ihr Lächeln deutlich mitschwang. Sie betrachtete seine warmen, braunen Augen, die stets zu Lachen schienen. Die blonden Haare fielen ihm weich in die Stirn, sein kantiges Kinn brachte den perfekten Kontrast und verhinderte, dass er aussah wie ein holländischer Poffertjes-Verkäufer. Er war der Typ liebevoller Riese, ein sanfter Beschützer, einem Golden Retriever nicht ganz unähnlich. Eigentlich bevorzugte sie die kantigeren, weniger weichen Männer.
Ihr Mann war eher mit einem durchtrainierten Weimaraner zu vergleichen. Wachsam, ausgeprägter Beschützerinstinkt und schnappte schon mal zu, wenn es nötig war. Angegraute Schläfen zu fast schwarzen Haaren und gefährlich blaue Augen, die sie schon so manches Mal in die Knie gezwungen hatten. Ein exzellenter Rhetoriker. Wenn er sagte: „Ich werde dich nie belügen, mein Schatz!“, dann meinte er das auch so. Nein, lügen würde er nie. Er verschwieg einfach das ein oder andere. Oder er veranstaltete ein so unschlagbares Wortspiel, dass man erst im Nachhinein dessen Bedeutung erkannte. Doch, sie kannten sich schon zu lange, als dass er sie noch täuschen konnte.
Beim Sonntagskaffe mit der Familie lieferten sie sich gern einen verbalen Schlagabtausch, die Anwesenden verstummten dann und ihre Köpfe gingen hin und her, als beobachteten sie ein schnelles Tennisspiel. Sie waren eingespielte Debattier-Gegner. Sie machten sich einen Spaß daraus sich im rhetorischen und argumentativen Duell herauszufordern.
Er konnte nichts vor ihr verbergen, sie kannten sich zu gut und zu lange.
Sie liebten sich, sie passten perfekt zu einander, das einzige Problem war, dass sie die Begriffe Treue und Loyalität unterschiedlich interpretierten.
Ihr Mann glaubte, dass es ein rein berufliches Tätigkeitsfeld war, für Informationen die ihm beruflich von Nutzen sein konnten, mit anderen Frauen ins Bett zu steigen. Sie hatte ihrem Mann vertraut und auch jetzt, im Nachhinein wusste sie nicht, wann er Zeit für derlei Tätigkeiten gefunden haben konnte. Doch die Korrespondenz mit einer „Geschäftspartnerin“ war unmissverständlich und ließ keinen Zweifel aufkommen.

Minuten lang hatte sie wie versteinert vor dem Computer gesessen und die Nachricht angestarrt, welche fälschlicher Weise an die private Email-Adresse ihres Mannes gesandt wurde, dann hatte sie sich gefangen und der Adressantin ein höfliches Antwortschreiben zu kommen lassen. Sie wollte Informationen und sie informierte. Sie hatte von ihrer Zweijährigen und von der bevorstehenden Geburt ihres zweiten Kindes berichtet und hatte um die Information darüber gebeten, was genau die andere Frau von ihrem Mann wollte. Die Antwort war postwendend gekommen und hatte ihr ein leicht hysterisches Lachen entlockt. Ihre „Rivalin“ ging mit großen Schritten auf das Rentenalter zu und lebte in einer recht offenen Ehe. Ihr Mann wusste von den anderen Männern und sie, die andere Frau, hatte ihr geraten sich mal über eine solche Einigung in der Ehe Gedanken zu machen. Im ersten Moment war sie entsetzt gewesen. Ihrem Mann einen Freifahrtschein zum Betrügen ausstellen? Nein! Doch nach längerem Nachdenken war ihr dieser Vorschlag verlockend vorgekommen. Würde es vielleicht mehr Schwung in ihre leicht eingefahrene Ehe bringen?
Sie hatte die Gedanken hierzu eine Weile vertagt, denn an diesem Abend war sie von ihrem Mann, mitsamt der großen Tochter, sehr nobel zum Essen eingeladen wurden. Er hatte also bereits von dem Email-Kontakt seiner Frau und seiner Geliebten erfahren. Erst als er am nächsten Tag, einem Samstag auch noch mit Blumen vor ihr gestanden hatte, hatte sie das Thema auf den Tisch gebracht.
Er hatte versucht sich mit viel rhetorischem Geschick rauszuwinden, doch die Fakten lagen auf der Hand.
„Und was jetzt?“, hatte er mit zitternder Stimme gefragt.
Sie hatte am Fenster gestanden, ihm den Rücken zu gewandt. Ihn zappeln lassen. „Ich habe darüber nachgedacht meine Sachen zu packen und zu gehen, aber…“, sie hatte gelacht und ihn kühl und berechnend angesehen, „…du bist als mein Mann viel mehr wert.“
Er hatte hörbar Luft eingesogen, erleichtert, aber auch verunsichert, war er sich doch sicher, dass da noch etwas kam.
„Du kannst weiterhin mit anderen Frauen schlafen, aber ich will wissen wann und mit wem.“, er hatte sich an seinem Mineralwasser verschluckt, sie nun vollkommen verwirrt angestarrt. „Und ich, werde mir das gleiche Recht herausnehmen.“
Er hatte angefangen zu husten, sich lautstark geräuspert und mehrfach den Mund geöffnet, um etwas zu sagen, ihn aber wieder geschlossen. „Ich denke nicht…“, hatte er schließlich angefangen, wurde jedoch sofort unterbrochen.
„Ich denke, ich werde mir demnächst wieder ein Pferd anschaffen. Da das ein recht zeitintensives Hobby ist, werden wir wohl ein Kindermädchen einstellen müssen.“, er hatte die Augenbrauen hochgezogen und nur leicht genickt. Sie hatte ihn selten, vermutlich noch nie, sprachlos erlebt.
Sie hatte ihm ein Lächeln geschenkt.
„OK…“, seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern gewesen.
„Ok!“, hatte sie sichtlich zufrieden geantwortet. „Lieben Gruß an Judith, würde sie nicht mit meinem Mann schlafen, dann könnte ich sie richtig nett finden. Sag ihr, dass ich mich bei ihr melde.“ Diese letzte Spitze hatte sie sich nicht verkneifen können und sich köstlich über den nun vollkommen entsetzten Gesichtsausdruck ihres Mannes amüsiert.

Markus und sie hatten sich wie zufällig aufeinander zu bewegt. Über sein Weinglas hinweg warf er ihr einen begehrlichen Blick zu. Ja, was sie sah gefiel ihr und sie fühlte sich geschmeichelt, aber wollte sie es wirklich?
Sie hatten bislang nur Blicke getauscht, ihre Unterhaltung beschränkte sich auf die üblichen Floskeln, die Eltern etwa gleichaltriger Kinder nun einmal austauschten, wenn sie aufeinander trafen.
„Mein Großer schläft bei einem Freund und Jasper hat einen sehr festen Schlaf.“, berichtete ihr Gegenüber, noch immer mit dieser ruhigen, beinahe sinnlichen Stimme.
„Verstehe…“, sagte sie leise und schlug die Augen nieder, lächelte wieder.
Er stand nun direkt vor ihr. Seine Stimme war ein wenig rauer geworden, sein Blick schien fast ein wenig fordernd unter dem warmen, sanften Lächeln. „Ziehen Sie sich aus!“
Sie schluckte, das war ziemlich direkt, er redete nicht lange um den heißen Brei herum.
„Kommen Sie, Theresa. Hätten Sie nur Jaspers Schuhe vorbeibringen wollen, hätten Sie das auch morgen machen können. Sie sind doch mit ganz anderen Gedanken hergekommen.“, seine Stimme klang amüsiert und ein wenig herausfordernd.
Sie lachte ein wenig nervös, doch ihr Lachen wurde von seinen Lippen erstickt.
Im ersten Moment versteifte sie sich, doch sein angenehmer Duft und seine weichen, doch fordernden Lippen hatten durchaus ihren Reiz und sie begann langsam sich zu entspannen, den Kuss zu erwidern. Als er mit seiner Zunge an ihren Lippen entlang strich und sanft um Einlass bat, löste sie sich jedoch abrupt von ihm.
„Ich denke nicht, dass wir…“, begann sie, doch er schüttelte nur den Kopf und hob eine Hand an ihre hellbraunen Locken, spielte mit seinen Fingern in ihren seidigen, kurzen Haaren.
„Die sind so weich wie sie aussehen.“, murmelte er leise und schien in das Spiel seiner Finger vollkommen vertieft zu sein. Sie schaute ihm unsicher, fragend ins Gesicht. „Ich habe mich immer gefragt, wie dein Haar sich zwischen meinen Fingern anfühlen würde. Ein wenig wie sonnengewärmter Sand, es fehlt nur das Rauschen des Meeres im Hintergrund.“
Sie kicherte ein wenig albern. Kam sich vor wie ein Teenager, der versuchte sich neue Grenzen zu stecken.
Seine Hand fuhr mit einer saften Bewegung unter ihr T-Shirt und strich über die zarte Haut ihrer Taille. Sie erschauerte leicht.
„Ich bin glücklich verheiratet, Markus.“, sagte sie ein wenig atemlos.
„Ich auch.“, wisperte er und strich mit seinen Lippen von ihrem Ohr über ihre Wange bis hin zu ihrem Mund.
Ein begieriges Kribbeln legte sich über ihren Körper und langsam hob sie die Hände und legte sie auf seine Brust. Durch den Stoff des Kleidungsstückes spürte sie die Haut, die sich straff über die Muskeln spannte. Zögernd schickte sie ihre Hände auf Wanderschaft, erkundete seinen Körper, während ihr Mund seiner ungestümen Zunge Einlass gewährte.
Es war so viele Jahre her, seitdem sie sich zuletzt einen beinahe unbekannten Mann hingegeben hatte. Sie war so unsicher wie vor ihrem allerersten Mal. Ihre Hände bebten, jedoch nicht nur vor Aufregung.
Seine Hände strichen über ihren Oberkörper, fanden die kleinen erogenen Zonen, von denen sie gar nicht gewusst hat, dass es sie gibt.
Als sie mit dem Daumen sanft über eine seiner Brustwarzen strich, entfesselte sie endgültig seine Lust. Er schloss die Arme um sie, drängte seinen Körper gegen ihren. Sie spürte seine Erektion an ihren Oberschenkel und erhöhte den Druck ihrerseits ein wenig, sodass er in ihren Kuss stöhnte.
Hastig löste er sich ein wenig von ihr, griff zwischen sie beide und öffnete ihre Hose. Sie keuchte laut auf, wischte sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Er ging in die Hocke und zog ihr die leichten Sommerschuhe aus, bevor er auch ihre Hose entfernte. Er schaute grinsend zu ihr auf.
„Du siehst bezaubernd aus.“, sagte er mit rauer Stimme.
Wieder erwiderte sie seine Bemerkung nur durch ein kindisches Gekicher, zu mehr fühlte sie sich nicht in der Lage. Ihr Hals schien wie zugeschnürt, das Herz schlug hart gegen ihre Rippen.
Er richtete sich wieder auf und schaute sie auffordernd an.
„Meinst du nicht, dass ich noch ein bisschen zu viele Klamotten am Leib habe?“, fragte er verschmitzt grinsend.
Sie schloss die Augen und schüttelte den Kopf, lachte leise. „Noch könnten wir aufhören, Markus. Noch wäre es…“
Er trat näher an sie heran, legte eine Hand an ihre Wange. „Meinst du wirklich, dass wir wieder zurück könnten?“
Sie schmiegte sich in seine zärtliche Berührung, schüttelte den Kopf erneut. „Nein…ich denke nicht!“
Erneut versuchte er ihren Mund mit seinen Lippen gefangen zu nehmen, doch sie löste sich von ihm.
„Schläft Jasper noch in einem Gitterbett?“, fragte sie und versuchte möglichst viel Luft in ihre Lungen zu pumpen. Irgendwie hatte sie das Gefühl nicht genug Sauerstoff zu bekommen.
„Ja…“, ertönte die Antwort gedämpft, weil er damit beschäftigt war die zarte Haut über ihren Schlüsselbeinen mit seiner Zunge zu reizen.
„Alle Stäbe drin?“, ihre Stimme geriet ein wenig außer Kontrolle, als er einen sensiblen Punkt traf und ihn beständig mit seinen Zähnen traktierte.
„Ja…“, seine Stimme war nur mehr ein Flüstern.
Langsam begann auch ihr letzter Widerstand zu bröckeln und sie gab sich ganz ihren Empfindungen hin.
Noch einmal löste er sich von ihr und zog eine Schublade auf, beförderte ein Päckchen Kondome zum Vorschein.
Sie lachte auf. „Kondome in der Küche?“
„Von meinem Großen konfisziert.“, erklärte er atemlos lachend.

Sie liebkosten sich noch eine ganze Weile gegenseitig, neckten sich und reizten die Empfindungen des anderen, sodass ihre Lust und die Leidenschaft sich in immer höhere Gefilde erhoben.
Als er sie schließlich ein wenig hoch hob, halb auf die Arbeitsplatte setzte und in sie Eindrang, dämpfte sie ein lustvolles Aufschreien, indem sie ihre Zähne in seine Schulter versenkte. Er zuckte ein wenig zurück, griff in ihre Haare, zog ein wenig, sodass sie zu ihm aufschaute. Ihre Blicke waren lustverhangen und schienen von der Welt entrückt. Er keuchte, bewegte seine Hüften in einem langsamen Rhythmus.
„Nicht so fest, kleine Wildkatze. Keine Spuren hinterlassen!“, grollte er heiser, bevor er den Rhythmus seiner Hüften beschleunigte und fester in sie stieß. Sie passte sich seinen Bewegungen an und trieb immer weiter hinaus auf das Meer der unendlichen Leidenschaft.
Sein Höhepunkt kam schnell und heftig und er klammerte sich an ihr fest, während sie die Beine fest um seine Hüften schlang und darauf wartete, dass das leichte Zittern, welches seinen Körper gefangen hielt, nachließ.

Schweigend saß sie auf der Treppe vor seinem Haus, das Weinglas in der Hand und betrachtete gedankenverloren die Fugen des gepflasterten Gehweges. Sie schaute nicht auf, als er sich neben sie setzte.
„Alles ok?“, wollte er wissen und sie spürte seinen forschenden Blick auf sich ruhen.
„Ich denke schon.“, erwiderte sie wage. Er strich ihr mit einer sanften Geste über den Rücken.
Als er ihr eine Packung Lucky Strikes unter die Nase hielt, lachte sie laut auf.
„Ich hätte nicht gedacht, dass du rauchst.“
„Hab es aufgegeben als Corinna mit Jasper schwanger war. Diese sind von Dominik, konfisziert, genauso wie die Kondome.“ Sie lachten beide, während sie kopfschüttelnd in die Schachtel griff, sich eine Zigarette hervorholte und diese von allen Seiten betrachtete.
„Du hast das Geschick mich in Dinge zu verwickeln, die ich schon vor Jahren hinter mir gelassen habe.“, sagte sie und steckte sich die Zigarette zwischen die Lippen. Bei ihrem ersten Zug musste sie husten, was ihm erneut ein Lachen entlockte. „Aber es macht Spaß.“, kicherte sie gepresst, erneut hustend.
Ein paar Minuten später stand sie auf und verabschiedete sich.
„Wenn du mal wieder Lust hast deinem Alltag zu entkommen…“, sagte er leise und machte eine einladende Geste.
„Wir werden sehen.“, erwiderte sie und ging den kleinen Weg entlang ohne sich ein weiteres Mal umzuschauen.

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