Felderforschung

Ein Studium mit Kind gestaltet sich laut dem Sonderbericht „Studieren mit Kind“, der 18. Sozialerhebung DSW, 2008, als langatmig. Ein Statement des Präsidenten des Deutschen Studentenwerkes, Prof. Dr. Rolf Dobischat, klingt entmutigend: „Studierende mit Kind müssen Studium, Kinderbetreuung und Job unter einen Hut bringen. Ihr Studium verläuft weniger reibungslos als das ihrer kinderlosen Mitstudierenden. Sie unterbrechen ihr Studium viermal häufiger als Studierende ohne Kind, Frauen häufiger als Männer. Die Unterbrechung dauert im Schnitt fünf Semester. Weniger als zwei Drittel realisieren ein Vollzeitstudium; mehr als die Hälfte ist nebenher erwerbstätig. Die familiäre Arbeitsteilung folgt traditionellen, geschlechtsspezifischen Mustern: Die studierenden Mütter übernehmen stärker die Kinderbetreuung, die studierenden Väter gehen stärker arbeiten.“ Und dennoch wirft die geringe Geburtenrate insbesondere bei Frauen mit hoher Bildungsaspiration die Frage auf, ob die Studienzeit nicht möglicherweise die beste Phase für die Familiengründung sei. Akademikerinnen, die nicht auf die Erfüllung ihres Kinderwunsches verzichten wollten haben häufig nach dem Modell „Qualifikation und späte Mutterschaft“ gelebt (vgl. Biller-Andorno, 2005, S. 11). Alternative Lebensverlaufsmöglichkeiten werden gesucht. Im Zuge dessen wurden die obengenannten, statistischen Erkenntnisse von verschiedenen Sozialforschern qualitativ hinterfragt. Die Ergebnisse zeigen, dass Studium und Kind sehr wohl miteinander in Einklang gebracht werden können. Es gibt eine Reihe nahezu maßgeschneiderte Unterstützungsangebote für ein Studium mit Kind. Einen hohen Stellenwert sehen die betroffenen Studenten in der flexiblen Lebensgestaltung und Studienorganisation. Auch die Semesterferien werden als ein sehr kinderfreundlicher Aspekt angesehen (vgl. Cornelißen/Fox, 2007, S. 185). Doch auch wenn ein Studium mit Kind zu einem erfolgreichen Ende gebracht werden kann, so folgt dann ein beruflicher Einstieg voller Kompromisse. Und schon bald stellt sich die Frage von der Vereinbarkeit von Kind und Karriere. Wirth/Dümmler (2004) prognostizieren aufgrund der Ergebnisse ihrer Kohortenanalyse, dass über 40% der Akademikerinnen in Deutschland kinderlos bleiben.

25.1.11 10:09

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