Problemzentriertes Interview (PZI) nach A. Witzel und Grounded Theory (GT) nach Strauss und Corbin

Problemzentriertes Interview (PZI) nach A. Witzel In dieser Hausarbeit stehen die entscheidenden Faktoren für eine gelingende Umsetzung der beruflichen Ziele im Vordergrund. Um diesem Thema auf den Grund zu gehen, werden biographische Daten von betroffenen Personen benötigt. Im vorliegenden Fall Frauen, die in der Zeit ihres Studiums Mutter geworden sind und bereits im Berufsleben stehen. Nach ausführlicher Beschäftigung mit den verschiedenen in Frage kommenden Erhebungsmethoden, fiel die Entscheidung auf das Problemzentrierte Interview (PZI) nach Witzel. Anhand eines Leitfadens, der aus Fragen und Erzählanreizen besteht werden bestimmte Daten thematisiert. In der Methodenbezeichnung findet sich bereits eines der drei zentralen Kriterien: die Problemzentrierung. Der Forscher soll sich an einer relevanten, gesellschaftlichen Problemstellung orientieren. Das zweite Kriterium stellt die Gegenstandsorientierung dar. Die Methoden sollen am Gegenstand orientiert entwickelt, bzw. modifiziert werden. Das letzte Kriterium bildet schließlich die Prozessorientierung in Forschungsprozess und Gegenstandsverständnis (vgl. Witzel, 2000, S. 2 ff.). Das PZI zählt in der qualitativen Sozialforschung zu den wenig oder teilstrukturierten Interviews, die sich zwar an einem Leitfaden orientieren, aber trotzdem eine relativ freie Gestaltung der Interviewsituation zulassen. Der Leitfaden dient im Grunde nur der thematischen Orientierung und räumt dem Befragten sehr weitgehende Artikulationschancen ein (vgl. Mikos/Wegener, 2005, S. 259 ff.). So ist es dem Interviewer frei überlassen beispielsweise die Reihenfolge der Fragen, die Änderung der Frageformulierung oder sogar die Streichung einer Frage vorzunehmen. Das Interview soll der Situation möglichst gut angepasst sein, um eine authentische Gesprächssituation herzustellen (vgl. Witzel, 2000, S. 5). Der Interviewer nimmt eine sehr aktive Rolle ein, damit stets die Problemzentrierung gesichert ist. Um den Erkenntnisfortschritt zu optimieren, werden dazu zwei Gesprächstechniken flexibel eingesetzt: Für die erzählungsgenerierende Kommunikationsstrategie kann und soll der Interviewer gezielt Nachfragen stellen, um den Befragten zu immer weiteren Aussagen anzuregen. Demgegenüber dient die verständnisgenerierende Kommunikationsstrategie der Selbstreflexion, indem das Gesagte zurückgespiegelt wird. Dadurch kann der Befragte noch Korrekturen vornehmen. Zusätzliche Konfrontationen können dabei zu weiteren Differenzierungen und Stellungnahmen anregen (vgl. Witzel, 2000, S. 5 f.). Das PZI ist eine der wenigen Methoden, die das Einbinden von Vorwissen akzeptiert, was aber nicht dazu führen soll, Hypothesen ex ante zu bilden, um diese im Interview zu überprüfen. Witzel beschreibt den Prozess als induktivdeduktives Wechselverhältnis: Vorwissen (Theorie) und neue Informationen aus dem Interview werden immer wieder aneinander abgeglichen (vgl. Witzel, 2000, S. 2). Grounded Theory (GT) nach Strauss und Corbin Anselm Strauss und Juliet Corbin (1996, S.7) definieren die Grounded Theory folgendermaßen: „Eine ‚Groundet Theory‘ ist eine gegenstandsverankerte Theorie, die induktiv aus der Untersuchung des Phänomens abgeleitet wird, welches sie abbildet“. Der Begriff „Grounded Theory“ wird sowohl für ein Set an systematischen Methoden, als auch für das Ergebnis des Forschungsprozesses gebraucht. Dadurch stellt sich die Frage, ob die Grounded Theory nun eine Methode, eine Methodologie oder eine spezifisch gestaltete Theorie darstellt. Mit Grounded Theory wird sowohl die Theorie, als auch der Prozess ihrer Generierung, welcher die Verwendung systematischer Methoden einschließt, bezeichnet. Diese doppelte Verwendung des Begriffes liegt in der Erkenntnistheoretischen Position der Grounded Theory, genauer der Position Anselm Strauss‘, begründet, welche davon ausgeht, dass die Qualität einer Theorie im Prozess ihrer Generierung begründet liegt (Strauss/Corbin, 1996, S. 7 ff.). Mit dem Begriff des Kodierens wird der zentrale Analyseprozess der Grounded Theory bezeichnet. Es bestehen drei Analysephasen: · Das offene Kodieren, das der Benennung von Konzepten und dem Herausarbeiten von Kategorien dient · Das axiale Kodieren, in welchem die Achsenkategorien und ihre Beziehungen herausgearbeitet werden · Und das selektive Kodieren, bei dem die Kernkategorie gefunden und die Theorie aufgestellt wird. Dabei ist zu beachten, dass Kodieren „keine eindeutige Schrittfolge, sondern vielmehr verschiedene Umgangsweisen mit textuellem Material […], zwischen denen der Forscher bei Bedarf hin und her springt“ (vgl. Flick, 2007, S. 388) darstellt. Es existiert keine vorgegebene Reihenfolge, die der Forscher nacheinander abarbeiten kann, weshalb eine Kombination der einzelnen Schritte möglich und meistens sogar erforderlich ist. Hinter dem Analyseprozess steht die Methode des ständigen Vergleiches. Alle in der Forschung gewonnenen Daten werden fortwährend mit neu gewonnenen Daten verglichen und ggf. neu kodiert. Die Ergebnisse der einzelnen Auswertungen haben dabei Einfluss auf die Auswahl der weiteren zu erhebenden Daten. Ein weiterer grundlegender Schritt der Grounded Theory ist es, das eng mit dem Kodierprozess verwobene theoretische Sampling der Daten. Das theoretische Sampling beschreibt ein Verfahren zur Auswahl der zu untersuchenden Daten. Die Auswahl der Daten erfolgt dabei nach „theoretischer Absicht und Relevanz“( vgl. Glaser/Strauss 1998, S. 56) und nicht äußeren Zwängen. Dabei ist dies natürlich eine Ideal-Vorstellung, da auch Forscher der Grounded Theory strukturellen Zwängen unterliegen. Glaser und Strauss betonen dennoch, dass diese nicht zum Leitfaden der Datenauswahl werden dürften. Grundlegende Fragen des theoretischen Samplings sind: „Welchen Gruppen oder Untergruppen wendet man sich zwecks Datenerhebung in nächsten Schritt zu? Und mit welcher theoretischen Absicht?“(Glaser/Strauss 1998, S. 55). Forschen im Sinne der Grounded Theory erfordert ein ständiges Wechselspiel von Auswahl, Analyse und Theoriebildung.

25.1.11 10:17

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