Auswertung

Auswertung Der erste Schritt der Datenanalyse ist es das „Rohmaterial“ zu Konzeptualisieren. Beim offenen Kodieren werden die Daten analytisch aufgeschlüsselt (vgl. Strauss/Corbin, 1996, S. 45). Die Erstellerin dieser Hausarbeit ging dafür zunächst Satz für Satz des transkribierten Interviews durch und fügte zu allen Äußerungen, die sich auf das zentrale Phänomen bezogen, Randnotizen ein. In einem zweiten Schritt wurden aus den Randnotizen Konzepte. Es wurde nach bestimmten Eigenschaften und der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe gesucht – der Beziehung zu einem ähnlichen Phänomen. So entstanden die verschiedenen Kategorien. Nach dem axialen Kodieren werden die Kategorien auf neue Art zusammengesetzt, dazu benötigt man ein Kodier-Paradigma, das aus Bedingungen, Kontext, Handlungs- und interaktionalen Strategien und Konsequenzen besteht (vgl. Strauss/Corbin, 1996, S. 75). Im Auswertungsprozess spielt die Suche nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden eine große Rolle. Der erste sich deckende Zusammenhang, der auffällig wurde, ist die Bereitschaft sich bewußt auf Kompromisse (Kategorie) und alternative Wege einzulassen (E.S. Z.:20/21/27/63/ 65/66 // Frau F. Z: 17-27). Doch wählten beide Frauen einen unterschiedlichen Weg die Alternativen zu gestalten. So überdachte Frau F. ihre gesamten beruflichen Wünsche und veränderte, nach einigen Gesprächen mit einer Vertrauensperson, ihren Studiengang (Frau F. Z.: 19-27), während E.S. an ihren beruflichen Vorstellungen festhielt (E.S. Z.:18 – 21/53/54). E.S. passte ihr Studium der Situation Zuhause an und trat beruflich somit einen Schritt zurück (E.S. Z.:27). Aus den Äußerungen von Frau F. geht hervor, dass sowohl Kinderbetreuung als auch das Studium sich recht ausgewogen gegenüberstanden (Frau F. Z.: 59-68), dennoch befand sich Frau F. in einem Zwiespalt und hatte das Gefühl weder den Kindern noch dem Studium wirklich gerecht zu werden (Frau F. Z.: 73-77). Eine ähnliche Aussage lässt sich auch im Gespräch mit E.S., in den Zeilen 29-31, finden. Aus beiden Interviews ging hervor, dass ein gut funktionierendes familiäres Netzwerk zur Sicherung der Kinderbetreuung (Kategorie) von großem Nutzen ist (E.S. Z:40/41 // Frau F. Z.: 62/63/140/141). So wurde auch bei jedem Bewerbungsgespräch immer wieder das Thema Kinderbetreuung (Kategorie) angesprochen, dicht gefolgt von der Flexibilität. So sah E.S. hier eine direkte Einschränkung und einen Nachteil für ihren Berufseinstieg (Z.: 98). Frau F. hingegen thematisierte die Flexibilität nur im Zusammenhang mit einer konzerninternen, beruflichen Veränderung und argumentierte mit der Größe und dem engmaschigen Netzwerk des Konzerns (Z.: 215 – 219). Allerdings stellte sich der Erstellerin der Hausarbeit in der Aufarbeitung der Daten die Frage, ob der Fragen-Antwort-Bereich mit Bezug zum beruflichen Einstieg von Frau F. sehr aussagekräftig ist. An dieser Stelle kommt es zu einem extremen Abweichen von der eigentlichen Thematik und beide Gesprächspartner wechseln zu einem eher weniger informativen, beinahe „flapsigem“ Erzählstil (Z.: 99 – 134). Deutlich wurde auch, dass beide Frauen nach dem Studium unbedingt in ihrem Beruf arbeiten wollten. Allerdings hatten beide Interview-Partnerinnen unterschiedliche Motive. E.S. war als alleinerziehende Mutter darauf angewiesen ihre Familie finanziell abzusichern (Z.:54 – 56), während Frau F. gern praktische Erfahrungen sammeln wollte, aber nicht auf Kosten ihrer Kinder (Z.:138 -140). Beide Frauen plädierten für eine 30-Stunden-Stelle. Für E.S. war dies zwar auch das Höchstmaß, aber es würde die finanzielle Situation deutlich entschärfen (Z.: 63-69), während Frau F. ihre Priorität (Kategorie) in Bezug auf diese Entscheidung im Bereich der Kinderbetreuung deutlich machte (Z.: 138/176-181). Die Bewerbungen wurden an alle Bereiche versandt, die mit dem erreichten Abschluss in Frage kamen (E.S. Z.: 64-66 // Frau F. Z.: 166-169). Somit kam die Erstellerin zu der Schlussfolgerung, dass nicht die Tätigkeit als solche höchste Priorität hat, sonder viel mehr der Einstieg in das Berufsleben vorrangig ist. Keine der beiden Frauen fühlt sich durch ihre Kinder beruflich eingeschränkt (E.S. Z.: 77-83//Frau F. Z.:188-192/214-221), allerdings ist auch keine bereit auf der Stelle zu treten. Beide wollen sich beruflich weiterentwickeln. Frau F. tendiert dahin dies in kleineren Schritten zu tun (Z.:175/189 – 192), während E.S. eher die Zeit anvisiert, wenn ihre Kinder selbständiger sind und weniger auf ihre Mutter angewiesen. H1: Die Gründung einer Familie im Lebensverlauf einer Absolventin eines Hochschulstudiums, hat Einfluss auf die Entscheidungen für oder gegen sie, als Bewerberin auf ein vakantes Stellenangebot. Nach der Analyse der beiden Interviews zum Thema „Familiengründung in der Zeit des Studiums“, lässt sich sagen, dass die Familienplanung insofern Einfluss auf die Entscheidung eines Arbeitgebers hat, als dass für diese die Organisation der Kinderbetreuung von besonderer Wichtigkeit ist. Ein weiterer ausschlaggebender Punkt ist die Größe des Konzerns bei dem die Bewerbung eingeht. Von beiden Interview-Partnerinnen wurden Merkmale des Arbeitgebers angemerkt, die eine eventuelle Einstellung beeinflussen könnten. So sehen die betroffenen Frauen bessere Bedingungen bei einem größeren Konzern mit einem engmaschigerem Netzwerk, sodass ein mögliches Ausfallen aufgrund der familiären Situation, gut aufgefangen werden kann (E.S. Z.:95-97// Frau F. Z.: 215-219). Die Entscheidung für oder gegen einen Bewerber mit Kind ist also viel mehr von organisatorischen Fügungen abhängig, als allein von der Tatsache, dass der Bewerber bereits ein oder mehrere Kinder hat. Die Personalverantwortlichen im Bewerbungsgespräch von Frau F. erwähnten ihr abgeschlossenes Hochschulstudium mit Kind lobend (Z.: 155-157), woraus sich womöglich ableiten lässt, dass die Tatsache des erfolgreich beendeten Studiums eine gelungene Organisation der familiären Verhältnisse voraussetzt. H2: Die Elternschaft wirkt sich auf den beruflichen Werdegang und auf das Erreichen geplanter beruflicher Ziele aus. Die Auswirkungen der Elternschaft zeigen sich insbesondere im Berufseinstieg, bei welchem sich die Bewerberinnen eher auf dargebotene Stellen mit entsprechender Arbeitszeit (30 Stunden in diesem Fall) beworben haben, als auf vakante Stellen, die ihre Erfahrungen aus dem Studium und ihre beruflichen Wunschvorstellungen unterstützen. Pläne des beruflichen Weges werden auf einen späteren Zeitpunkt verschoben oder in kleineren Dimensionen umgesetzt. Insgesamt müssen bei einem Berufsbeginn mit Kind einige Kompromisse in Kauf genommen werden und die beruflichen Wege gestalten sich mit Kind weniger gradlinig. Im Prozess des Selektiven Kodierens wird eine Kernkategorie entwickelt. Die Kernkategorie ist das zentrale Phänomen und verbindet alle Kategorien miteinander (Strauss/Corbin, 1996, S. 94). Für den beruflichen Einstieg nach einem Studium, in dessen Verlauf bereits eine Familie gegründet wurde, ist ein hohes Maß an Kompromissbereitschaft unabdingbar. Man muss sich bewusst sein wie viele Stunden man in der Woche arbeiten kann und will, dementsprechend muss man eventuell einen alternativen Weg entgegen der ursprünglichen beruflichen Ziele einschlagen. Das Kind und den beruflichen Start und Weg miteinander in Einklang zu bringen funktioniert nur mit einem ausgefeilten, organisatorischen System, insbesondere mit Bezug zur Kinderbetreuung. Doch haben die betroffenen Frauen bereits ein Hochschulstudium erfolgreich beendet und wissen zumeist welche organisatorischen Pflichten es zu erfüllen gilt. Somit ergibt sich folgende materiale Theorie (aus Daten gewonnene Theorie) nach der Analyse der Interviews und mit Hinblick auf die gestellte Forschungsfrage: Aus den Interview-Texten wurde die Kernkategorie Kompromissbereitschaft extrahiert, die folgende Dimensionen aufweist: Dauer (anhaltend) und Intensität (hoch). Die Kompromissbereitschaft mit Bezug auf das Umsetzen der beruflichen Vorstellungen, führen zur Planung der alternativen, beruflichen Verläufe und der Durchführung organisatorischer Maßnahmen (z.B. Kinderbetreuung), die durch Motivation, dem Streben nach der eigenen beruflichen Verwirklichung und der Rahmenbedingungen moderiert sind und deren Ziel ein erfolgreiches Gelingen des erwünschten beruflichen Verlaufes ist.

25.1.11 10:21

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